Mittwoch, 29. Januar 2014

"Wo die großen Elefanten spazieren gehen, ohne sich zu stoßen."


Es ist viertel vor sieben. In ca. 30 Minuten ist es dunkel. Ich sitze auf der Veranda vor unserem Haus und genieße einen dieser wunderbar klaren „Sommerabende“, wobei Sommer ja der falsche Ausdruck ist. Eben einer jener typischen Abende in Kampala, wo sich über mir blauer Himmel erstreckt während in der Ferne schon das nächste Gewitter heranrollt. Ein Wind kühlt den heißen Tag, irgendwo zwischen lauem Lüftchen und steifer Brise. Meine Mitbewohnerinnen wuseln umher. Man kocht zusammen oder allein oder isst außer Haus. Small talk und tiefergehende Gespräche wechseln sich ab. Ich sitze also in Kampala auf der Veranda und sinniere über die vergangenen Wochen.

In der letzten Woche durfte ich mich endlich mit Marius, Programmkoordinator bei Fontes, in den Jeep setzen und Richtung Westen brausen. Das Ziel waren Fontes Wasserprojekte, gelegen im Queen Elizabeth National Park. Früh morgens verlassen wir Kampala um nicht schon zu Anfang Stunden im Stadtstau zu verlieren. Der Plan geht auf und ohne Verzögerung geht es nordwestwärts Richtung Hoima, wo wir uns mit zwei Freunden von Marius treffen. Auch sie werden zeitweise in unsere Arbeit eingebunden. Der gigantische Lake Albert liegt zu unserer rechten, als wir unsere Reise südwärts Richtung Fort Portal fortsetzen, versteckt sich jedoch leider hinter Hügeln aus Vulkangestein und der omnipräsenten Wolke aus Staub.
Der immer wieder aufgewirbelte Staub verleiht auch der Vegetation am Wegesrand den charakteristischen rotbraun Ton. 
Ich hatte viel Gutes über Fort Portal und die die Stadt umgebene Landschaft gehört und sollte nicht enttäuscht werden. Es geht durch Wälder und vorbei an einer wunderschönen Hügellandschaft, kultiviert mit endlosen Teeplantagen. Doch schon am nächsten Tag werden die großartigen Eindrücke von einer neuen atemberaubenden Landschaft verdrängt, als wir immer südwärts Richtung Kasese und schließlich Queen Elizabeth National Park reisen. Zur Rechten erhebt sich nun majestätisch das Rwenzori Gebirge aus dem blauen Dunst, dessen höchster Gipfel mehr als 5.000 m hoch ragt. Gleichzeitig geht zur Linken das erwähnte Hügelland in Grassteppe über bevor sich südlich von Kasese die Ufer des Lake George in das Blickfeld schieben. Unversehens passiert man den Äquator. Nur zwei Seen weltweit werden vom diesem gekreuzt, Lake George und Lake Victoria. Immer diese ugandischen Superlative... Wo wir gerade dabei sind: Wir befinden uns im größten Grabenbruch der Welt, dem Great Rift Valley, genauer im westlichen Arm desselben. Mehrere Erdplatten driften hier auseinander, verdünnen die Erdkruste und lassen Magma aufsteigen. Bezeugt wird dieser Vorgang durch die über die ganze Region verteilten Kraterseen. Es entsteht ein sogenanntes Horst und Graben-System. Der Queen Elizabeth National Park liegt in eben diesem Graben und erstreckt sich uns nun zu beiden Seiten. Leider lässt sich diese bezaubernde Landschaft diesmal nur durch die Fensterscheibe wahrnehmen, viel Zeit zum Aussteigen und Fotografieren bleibt nicht. Schließlich sind wir ja zum arbeiten hier.
Es folgt ein 6-tägiger Marathon in dem wir versuchen werden alle fünf Wasserprojekte von Fontes zu besuchen und gleichzeitig einen Teil der Wasserbehandlungsanlage in Kisenyi in das Dorfinnere zu verschieben. Am Ende werden wir dem strengen Zeitplan nicht einhalten können.
Am Einlauf wird das Oberflächenwasser vom See bzw. Kanal zur Behandlungsanlage gepumpt. Das Grundwasser ist in dieser Region zu salzig und wird daher nicht genutzt.

Nachdem die Schwebstoffe im Wasser in einem ersten Schritt durch Flockungsmittel koaguliert und in einem Tank sedimentiert werden, werden die restlichen partikulären Bestandteile und die meisten Schadstoffe in den abgebildeten Sand- und Aktivkohlefilter zurückgehalten. Abschließend wird das Wasser mit einer genau dosierten Menge Chlor versetzt.

An einem solchen tap stand wird das Trinkwasser nach Reinigung für erschwingliche 100 Schilling (ca. 3 €-Cent) pro Kanister verkauft. Es ist wichtig dem Wasser einen monetären Wert zu verleihen um Verschwendung vorzubeugen. 
Doch halt! Wer jetzt denkt: „Wasserprojekte, kleine Fischerdörfer in einem afrikanischen Nationalpark, wilde Tiere? Das ist der Stoff aus dem gute Dokumentationen gemacht sind!“, der liegt vollkommen richtig. Und soll ich euch was das Beste verraten? Ihr könnt euch genau so eine Doku ins Wohnzimmer holen indem ihr Sven Kämmerer in seinen letzten 6 Tagen seiner Crowdfunding- Kampagne unterstützt!! Sven wird in einer Woche in Uganda ankommen und eine nette Doku über die Arbeit der Fontes Foundation drehen. Wer hier nicht zuschlägt (und sich für 15 € oder gerne mehr die DVD nach Hause holt), der scheint weder Hirn noch Herz zu haben. Also bitte:


Ich habe in einem früheren Beitrag schon erschöpfend den andersartigen und erfolgreichen Ansatz beschrieben, mit dem Fontes Entwicklungszusammenarbeit betreibt, weshalb ich mich im Weiteren auf meine persönlichen Erfahrungen beschränken möchte. Das Hauptaugenmerk unserer Arbeit war auf Das kleine Fischerdorf Kisenyi gerichtet, dass pittoresk am Ostufer des Lake Edward gelegen ist. Der Wasserstand in den Seen im Nationalpark ist in den vergangenen Jahren überraschend rasant gestiegen. Noch gibt es keine ausreichend Erklärung für dieses Phänomen. Aus technischen Gründen waren große Teile der Wasserbehandlung im Jahre 2007/2008 nahe des Seeufers erbaut worden. Durch den gestiegenen Wasserstand jedoch kam es in jüngster Vergangenheit immer wieder zu Überschwemmungen. Wo sich im Nationalpark flaches Wasser ausbreitet, da lassen Nilpferde und Krokodile nicht lange auf sich warten. Schon kurze Zeit später wurde ein erster Schaden an einem Kabel gemeldet, das die Solaranlage in Kisenyi mit den Pumpen verbindet. Ein Hippo war auf das Kabel getreten und hatte es zerstört. Mit solchen Problemen hat man also zu kämpfen, wenn man Entwicklungsprojekte im Nationalpark betreibt. Auch ein Solarpanel war zerbrochen, weil nach Angaben der Anwohner zwei kämpfende Hippos in den Zaun und die Solaranlage hineingefallen waren. Der Zaun, der das Pump- und Filterhaus sowie den Sedimentationsbehälter umgab ist nicht mehr. Zerstört von Elefanten und Pavianen. Durch die wiederkehrenden Überflutungen war der Zustand also untragbar und das ganze System musste in das Dorfinnere verschoben werden, dass ca.300 m vom Ufer entfernt liegt.
Die örtliche Schlachterei hat geöffnet.
 
Kisenyi landing site. Die Menschen leben überwiegend vom Fischfang. Im Hintergrund das Pumpen- und Filterhaus und der Sedimentationstank, die von den Überflutungen betroffen waren.


Natürlich sollte auch die Kommune ihren Beitrag zu den Arbeiten leisten, vor allem damit die nötige Wertschätzung des Projektes gewährleistet ist. Während der zur Mobilisierung der Gemeinde einberufenen Dorfversammlung wurde mir dann offenbart, was es heißt wenn man nicht einfach Wasserprojekte installieren, sondern ein gesamten Dorf in allen Bereichen bei seiner Entwicklung unterstützen möchte. Natürlich könnte man auch einfach mit zwei Jeeps, voll besetzt mit technischem Gerät und Experten, in das Dorf einfallen und die ganze Arbeit innerhalb von zwei bis drei Tagen erledigen, ohne die Kommune in den Prozess mit einzubinden. Doch wenn man das Ganze tatsächlich nachhaltig gestalten und mehr erreichen möchte als nur sauberes Trinkwasser zu liefern, dann muss man die Sache anders angehen. Muss das Dorf zusammentrommel, sich ausgiebig erklären, um Mithilfe werben, sich endlosen Diskussionen stellen, die nicht alle zwangsläufig mit dem eigentlichen Arbeitsauftrag zu tun haben und trotzdem keinesfalls vernachlässigt werden dürfen. Und so geschah es dann auch, dass in erwähnter Dorfversammlung der Fokus nach kurzer Zeit von der Versetzung der Wasserbehandlungsanlage zu einem ganz anderen Thema hinüber schwenkte. Vor einigen Monaten war ein Junge aus dem Dorf zunächst in die finale Auswahl von Fontes Stipendiatenprogramm gewählt worden. Das Programm sucht Paten für einzelne Kinder, die zwar gute Schulnoten aufweisen, aufgrund ihres familiären Hintergrunds (Waisen, Halbwaisen und oder Eltern/Erziehungsberechtigte mit sehr geringem Einkommen) und der abgeschiedenen Lage der Dörfer im Nationalpark (schwieriger Zugang zu guten und weiterführenden Schulen) benachteiligt sind. Die Paten bezahlen die Ausbildung der Kinder auf einer weiterführenden Schule (High School). Später kam jedoch heraus, dass der erwähnte Junge schon vor mehreren Jahren mit seiner Mutter Kisenyi verlassen hatte, worauf er aus dem Auswahlprozess ausgeschlossen wurde und ein Kind aus einem anderen Dorf in das Programm aufgenommen wurde. Das wiederum wollte die Gemeinde in Kisenyi aber gar nicht verstehen und fühlte sich um einen Platz im Programm betrogen.
Die Einbeziehung der Bevölkerung in den Entscheidungsprozess ist ein weiterer wichtiger (und komplexer) Aspekt der Arbeit von Fontes.
Unter anderem dieser Zustand wirkte sich wiederum auf die Motivation der Dorfbewohner aus, Fontes unentgeltlich bei den geplanten Arbeiten zu unterstützen. Aufgrund der mangelnden Motivation war es uns schließlich nicht möglich das System vor Ende des field trips wieder anzuschließen. Jedoch beschäftigt Fontes vor Ort einen Techniker, der mit Hilfe eines weiteren Teilzeitmitarbeiters (und wiederum ehemaligen Schülers des Fontes Stipendiatenprogramms; hier schließt der Kreis sich) mittlerweile die Arbeiten beendet hat, sodass das Dorf wieder mit Trinkwasser versorgt wird. Was hier in Ausführlichkeit beschrieben wurde soll nur verdeutlichen, wie komplex die Arbeit vor Ort tatsächlich ist. Spontane Reaktionen und Entscheidungen sind fehl am Platz, da man unter permanenter Beobachtung steht. Man muss an tausend Dinge gleichzeitig denken und sich über alle Konsequenzen seines Handelns bewusst sein.

Die Nutznießer der Projekte sollen auch selber ihren Beitrag leisten. Vor allem für das Anlegen von Gräben, dass per Hand erledigt wird, braucht es viele Freiwillige.
 
Der Besuch des Trinkwasserversorgunsprojekts in Kazinga sollte mir dann eine weitere Lektion erteilen, die ich in der Theorie schon längst verinnerlicht, in der Praxis aber noch nicht angewandt gesehen hatte. Das Dorf befindet sich in herrlicher Lage am Kazinga Channel, der Lake George mit Lake Edward verbindet. Im Gegensatz zu den anderen Projekten, die wir bisher gesehen hatten, war das System hier alles andere als in Ordnung. Die Wasserfilter wurden seit Monaten nicht benutzt und Aluminiumsulfat (Flockungsmittel) und Chlor wurden während des Pumpvorgangs gleichzeitig in das Wasser gegeben. Die Techniker des örtlichen Wasserkomitees behaupteten, dass Fontes eigener Techniker die Filter vom System getrennt hätte. Unser Techniker behauptete, dass die Verantwortlichen aus dem Dorf das System geändert hätten. Insgesamt also eine festgefahrene Situation. Auch waren alle Hähne einer der Wasserverkaufsstände geklaut worden. Die gelernte Lektion war die folgende: Im letzten Jahr hatte Fontes nicht genügend Mittel aufbringen können um, ihrem Ansatz folgend, die Projekte regelmäßig aufzusuchen und Trainings für die Techniker und Mitglieder der Wasserkomitees zu veranstalten. Das dies aber unbedingt nötig ist und was geschehen kann wenn dies nicht passiert, dass zeigt das Beispiel Kazinga. Es entstehen Konflikte zwischen einzelnen Parteien, die wiederum zu Sabotage oder schlecht oder gar nicht erledigten Arbeiten führen können. Ein vertrauensbildender Prozess der Kommunen untereinander findet nicht statt, sodass Misstrauen die Arbeit weiter verkompliziert. Schließlich werden neue Mitglieder in die Wasserkomitees gewählt und neue Techniker vor Ort angestellt, die nicht über das nötige Wissen und die Fähigkeiten verfügen das Projekt eigenständig über lange Dauer weiterzuführen. Das Büro in der Hauptstadt ist weit, die Kontrolle aus der Ferne ist schwierig und die Kommunikation nicht immer eindeutig.

Impressionen aus Kazinga.
All dies einem potentiellen Spender zu erklären und verstehen zu lassen ist nahezu unmöglich. Weshalb es auch um ein vielfaches einfacher ist Spenden für die Initialisierung eines Trinkwasserprojektes zu akquirieren, als Geldgeber für einen erfolgreichen Erhalt eines Trinkwasserprojektes zu gewinnen.
Eine Vielzahl an Affen beobachtet uns bei der Arbeit. So wie dieser Schwarz-weiße Stummelaffe (Black and White Colobus). 
Auch dieser junge Pavian genießt das Wasser aus dem Fluss. Allerding unaufbereitet...
Man kann sich vorstellen, dass sich die Feldarbeit entsprechend abwechslungsreich und vielschichtig gestaltet. Nicht zuletzt ist es unglaublich anstrengend. Der Tag beginnt in der Regel vor Sonnenaufgang mit einem schnellen Frühstück bei dem der Plan für den Tag besprochen wird. Dann geht es auf die Schotterpiste durch den Nationalpark. Sitzt man auf dem Beifahrersitz kann man noch ein wenig dösen oder die Landschaft genießen und nach Antilopen, Affen und Elefanten Ausschau halten. Sitzt man selbst hinterm Steuer kann von Genuss kaum die Rede sein. In voller Konzentration steuert man vorbei an Schlaglöchern und muss gleichzeitig die Straße zu beiden Seiten im Auge behalten, falls ebenjene Antilopen, Affen oder Elefanten plötzlich die Straße kreuzen. Man fühlt sich in ein Jump 'n' Run-Spiel aus früher Kindheit zurückversetzt. Ist am Ende des Tages die Sonne schon untergegangen wird das Ganze noch schwieriger. Auch die Sonne macht einem zu schaffen, die hier am Äquator gnadenlos hernieder scheint. Und zwar senkrecht, sodass man für die meiste Zeit des Tages auch kein schattiges Plätzchen findet.
An Warzenschweine und Paviane im Dorf hat man sich schnell gewöhnt.
Was qualvoll klingt macht in Wirklichkeit aber den größten Spaß. Die Dorfbewohner und vor allem die Kinder sind überaus freundlich und neugierig. Es ist ein ganz besonderes Erlebnis durch die kleinen Dörfer zu laufen, die mit Kampala so wirklich gar nichts gemein haben und trotzdem in ihrer Einfachheit schön sind. Der Sandstrand am Ufer des Lake Edward und der nahe gelegene Fluss aus dem das Wasser gepumpt wird tun natürlich ihr übriges um zum schönes Gesamtbild beizutragen. Über den See kommen langsam kleine Fischerboote aus dem Kongo getuckert. Warzenschweine und Paviane leben dicht an dicht mit den Dorfbewohnern (besonders die Paviane oft zu dicht, sodass sie schon eine Gefahr darstellen). Nahe dem Ufer tauchen immer wieder die Rücken der Hippos wie kleine graue Inseln aus dem Wasser auf. Der Crested Crane, Ugandas Nationalvogel, stolziert umher und stört sich nicht am geschäftigen Treiben der Fischer. Du gehst deiner Arbeit nach und plötzlich läuft 20 m neben dir ein Elefantenbulle vorbei, fängt gemächlich zu grasen an. Wo eben noch die Jugend des Dorfes Fußball gespielt hat okkupieren nun 20 Warzenschweine den Fußballplatz, sodass man lieber einen Umweg macht.
Der Crested Crane ist Ugandas Nationalvogel. Nicht nur der Kranich selbst sondern auch die Farben seines Federkleides (schwarz, gelb, rot) sind auch auf der Ugandischen Flagge abgebildet. 

Es ist diese latent surreale Mischung aus Tieren in freier Wildbahn, die man bei uns nur aus dem Zoo kennt und der gleichzeitigen Arbeit mit der lokalen Bevölkerung, die sich einen besonderen Platz in der Erinnerung sichert. Ich bin froh schon in zwei Wochen zu den Projekten zurückkehren zu dürfen wo uns erneut lange Diskussionen, technische Probleme, wilde Tiere erwarten werden.


PS: Es scheint, dass mein Spendenaufruf vor Weihnachten die allermeisten Herzen nicht erwärmen konnte. Ich bin unter anderem für die Verwaltung der Spenderdatenbank zuständig und weiß also ganz genau wer noch auf der Liste fehlt! Ich versuche es also ein weiteres mal. Ich hoffe ich konnte ausreichend betonen, dass es gerade wegen Fontes auf Langfristigkeit ausgelegten Ansatzes auch auf regelmäßige finanzielle Unterstützung ankommt. Für die Sinnhaftigkeit einer Spende auf das folgende Konto verbürge ich mich hiermit persönlich:

Norway/ International
 
Bank:
Cultura Sparebank
Kontonr.:
1254.05.33553
Kontoinhaber:
Fontes Foundation
SWIFT-code:
CULTNOK1XXX
IBAN:
NO45 1254 0533 553
 
 
Adresse:
Fontes Foundation
Bernhard Herres vei 3
0376 Oslo
Norway

Der affine Internetnutzer kann das Ganze Procedere auch online unter folgendem Link abwickeln:



Dienstag, 14. Januar 2014

Die Fischer von Kome Island

In kurzen Sätzen und einigen Bildern möchte ich im Folgenden beschreiben, was sich vor wenigen Wochen zugetragen hat.
 
Meine Mitbewohnerin Sanna und ich waren an diesem Freitag früh auf den Beinen um Denis an unserem gewohnten Treffpunkt am New Taxi Park zu begrüßen. Das Ziel unseres Kurztrips: Kome Island. Grünes Eiland im Lake Victoria, lediglich 50 km SE von Kampala gelegen bist du doch so unendlich fern der Hauptstadt und so vollkommen anders. "Vollkommen anders" beschreibt unsere 3-tägige abenteuerliche Reise in die Abgeschiedenheit wohl am besten. Immer wenn ich denke durch meine mittlerweile diversen Nah- und Fernereisen durch dieses Land nun wohl einen guten Überblick über Land und Leute gewonnen zu haben wird eine neue exotische Landschaft aus dem Hut gezaubert, gehen Menschen einer vollkommen unbekannten Beschäftigung nach, die einen in Staunen versetzt oder einem ein Lachen abringen kann. Natürlich hatten wir einen Grund die nicht ganz unbeschwerliche Reise auf uns zu nehmen. Denis Vater wohnt seit mehr als vier Jahrzehnten auf der Insel und besitzt dort ein großes Stück Land auf dem er verschiedene Hölzer anbaut, mit denen er in der Hauptstadt handelt. Nicht nur sein Vater, wie sich später herausstellen sollte. Gefühlt jeder dritte und in Realität sicherlich jeder zehnte Inselbewohner stellte sich als ein zumindest ferner Verwandter von Denis heraus.

Zunächst wurde Denis Mutter auf ihrer kleinen Farm nahe der Katosi landing site besucht. Ziegen, Schweine, Hühner, Matoke, Kartoffeln, Papaya, Matooke alles scheinbar wild durcheinander gewürfelt. Auch Denis züchtet und mästet hier ca. 5 Schweine. Wie fast jeder Ugander hat er sich somit, neben seinem Job bei Fontes, ein zweites Standbein geschaffen.
Schnell stellte sich heraus, dass dies wohl einer jener Trips werden würde, auf denen man sich einfach treiben lässt, in sein Schicksal ergibt und von den Ereignissen überraschen lässt. Denis hatte sicherlich irgendwo einen grobe Reiseplan im Hinterkopf, aber in Uganda muss man sich daran gewöhnen, dass sein Gegenüber seine Entscheidungen für sich ausmacht und plötzlich seine Pläne ändert ohne irgendwen darüber in Kenntnis zu setzen. Also einfach dranhängen und laufen lassen, das hat sich bewährt. Nachdem wir also Denis Mutter (und diesesmal habe ich mir versichern lassen, dass es sich tatsächlich um die Frau handelte, die ihn zur Welt gebracht hat und nicht eine ihrer Schwestern) besucht und einen Anstandstee getrunken hatten machten wir uns, ausgestattet mit Bananen und Avocados für die Reise, auf den vermeintlichen Rückweg zur landing site, von der aus uns ein Boot zur Insel bringen sollte. Zunächst aber wurde eine weitere Frau besucht, die sich erneut als Denis Mutter herausstellte (diesmal jedoch wieder eine Tante seiner eigentlichen Mutter; die Tradition seine Tanten ebenfalls als Mutter anzusehen ist nicht ugandaweit verbreitet, sondern lediglich unter den Baganda, den Bewohnern des zentralen Buganda Königreich von dem hier schon öfters die Rede war).


Erste Überraschung: Die Boote können nicht direkt am Ufer landen, weshalb zunächst Sanna, dann ich durch das Wasser getragen wurden. Zweite und erleichternde Überraschung: Nicht nur die Muzungus sondern alle Passagiere werden getragen. Die Träger gehen diesem Beruf offensichtlich hauptberuflich nach. Dritte Überraschung, die eigentlich niemanden mehr so wirklich überraschen sollte: Wo Menschen transportiert werden, da können auch Tiere transportiert werden. Diesmal wurde ein nicht zu beneidendes Kalb in da Boot gehievt und auf die stundenlange Fahrt über den See geschickt.
Das wir nicht selbst durch das Wasser waten müssen hat einen entscheidenden Vorteil: Wir können und nicht mit Bilharziose infizieren. Wenn man weiß wie diese Krankheit übertragen wird tut man alles um eine Ansteckung zu verhindern. In der folgenden Stunde wird allerhand verladen. Matratzen, kleine Tonöfen zum Kochen, Bier, Matratzen, Fahrräder und so weiter. Endlich machen wir uns auf die dreistündige Fahrt. Die Sonne brennt erbarmungslos, da hilft auch die beste Sonnencreme nicht. Kein Wunder, kreuzen wir auf unserer Fahrt doch den Äquator. Es wird an mehreren Inseln Halt gemacht um Mensch und Material aus- und einzuladen. Die Inseln könnten verschiedener nicht sein. Manchmal nicht viel mehr als 1 km² schroffer steiler Fels, manchmal riesengroß, flach und dicht bewuchert. Alle Fischerdörfer haben jedoch eines gemeinsam: Die zusammengezimmerten Hütten in denen die Menschen hier Leben lassen große Armut vermuten. Diese Vermutung äußernd werde ich jedoch von Denis eines besseren belehrt. Hier scheint es egal zu sein ob jemand viel oder wenig Geld zur Verfügung hat, in diesen Dörfern wohnen alle in den selben Bretterbutzen. Dies sollte sich später bestätigen. Während des ganzen Aufenthaltes auf Kome Island haben wir nur wenig gesehen, was sich als Haus bezeichnen lassen könnte und wenn, dann handelte es sich um schlichte Lehmhäuser. Auch Denis Bruder, der einige Monate im Jahr auf der Insel verbringt um zu fischen und sich in Kampala immerhin ein Haus gebaut hat, wohnt hier auf ca. 12 m² geschützt von Holzplanken und etwas Stoh und Plastik über dem Kopf.

Obwohl nicht weit von Kampala entfernt dauert die Reise (inklusive Verwandtenbesuch) einen halben Tag.

Hier gab es Abendessen und Frühstück. Bohnen, Bohnen, Bohnen.
Nach langer Reise sind wird froh endlich in einem Dorf ohne Namen auf Kome Island angekommen zu sein. Das Abendessen fällt, wie von der lokalen Küche gewohnt, ausgiebig aus. Sogar Bier ist zu kaufen. Die Unterkunft ist mit 3.000 Shilling die Nacht unschlagbar günstig und entsprechend rustikal. In das Zimmer passt ein Bett, dieselben Holzbretter wie überall dienen als Wände, der Boden ist festgestampfte Erde, es gibt Mäuse, eine Plastikschüssel und einen Kanister voll Wasser zum "duschen". Der Sternenhimmel übertrifft erwartungsgemäß alles bisher dagewesene. Kein Wunder, gibt es hier doch keine Stromversorgung und damit auch kein störendes Licht. Ein einzelner Generator stört bis 0 Uhr die Stille, der Strom für eine Bar liefert, in der Filme gezeigt werden. Am nächsten morgen machen wir uns nach zu schwerem Frühstück (Chapati und Bohnen) auf den Weg zu Denis Vater. Es geht durch dichten Wald, entlang der Küste, über kleine Flüsse, Stock und Stein. Denis Vater hat mittlerweile das stolze Alter von 75 Jahren erreicht. Bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von etwas über 50 Jahren also eine echte Ausnahme. Und definitiv ein Zeitzeuge Ugandas bewegter Geschichte. Es gibt sicherlich nicht viele Leute, die hier noch heute aus der Zeit Ugandas als britische Kolonie berichten können. Nach kurzem Aufenthalt machen wir uns auch gleich wieder auf den Weg. Die Spitze der Insel bildet ein Plateau, das erkundet werden möchte.
In Vordergrund trocknet silverfish in der Sonne, der schon vorher vorgestellt wurde. Bei Mondschein schwimmen die kleinen Fische nahe der Oberfläche und können mit Netzen einfach gefangen werden. Heute verwenden die Fischer Strahler um sie an die Oberfläche zu locken.



Hier wurden zuerst die Netze ausgebracht. Der Fischer schlägt die Vorrichtung auf das Wasser. Durch die Druckwelle werden die Fische aufgeschreckt und gehen ins Netz.
Es geht durch dichtesten Wald. Wenn man nicht aufpasst tritt man in eine Ameisenstraße und die Insekten reagieren entsprechend gereizt. Auf besagtem Plateau wächst langes Gras und gibt eine schöne Kulisse ab. Wir beschließen auf der anderen Seite der Insel ein weiteres Fischerdorf zu besuchen. Wie sich später herausstellt wohnt hier derzeit Denis Bruder, der sein Geld als Fischer verdient. Gefangen wird vor allem Nile Perch (also Nil-Barsch) und Tilapia. Erstgenannter ist deutlich größer und erzielt einen höheren Preis. Der Nile Perch kann gewaltige Proportionen annehmen, wie wir auf der Rückfahrt feststellen, als uns im Boot ca. 1,5 m lange Exemplare vor die Füße geworfen werden. Plötzlich finden wir uns in einem kleinen Kanu wieder mit dem wir zum nächsten Fischerdorf aufbrechen. Denis berichtet, dass hier sein Vater geboren wurde. Doch die Reise ist wider Erwarten noch nicht zu Ende. Von diesem Dorf geht es noch einmal zu Fuß in das nächste, wo wir unsere Wasservorräte auffrischen können.
Da Denis letzter Besuch auf Kome über 3 Jahre her ist wurden wir auf unserer Wanderung von zwei seiner Verwandten geführt.

Busch Busch!

Drei Leute rudern, einer muss mit einem Kanister das eindringende Wasser schöpfen, da das Boot leckt.
Es ist bereits 15 Uhr und Sanna und ich fangen an uns zu fragen ob wir es noch vor Einbruch der Dunkelheit zurück zu unserer Unterkunft schaffen werden. Immerhin müssen wir zurückmarschieren, -paddeln und wieder marschieren. Auch Denis Vater wird uns nicht gehen lassen ohne uns Abendessen aufzutischen. Doch zunächst einmal wird an der Hütte von Denis Bruder eine Zwangs- und Essenspause eingelegt, denn seine Frau hat getrockneten Tilapia mit süßen Kartoffeln für uns gekocht. Als wir endlich zu Denis Vater aufbrechen haben sich uns noch weitere Personen angeschlossen, die uns begleiten. Wie befürchtet wartet hier auch Denis Schwester schon mit dem Essen auf uns. Es gibt Posho mit Bohnen und wir haben nicht mehr die Kapazität unsere Teller zu leeren. Es wird uns zum Glück amüsiert nachgesehen. Noch schnell ein paar Fotos geschossen und dann zügig zurück zum Ausgangspunkt unserer Wanderung. Die letzten Kilometer werden tatsächlich mehr oder weniger im Dunkeln zurückgelegt.
Familie Ssebugwawo: Denis mit Schwester und Vater. Sein Vater ist, im wahrsten Sinne des Wortes, vom alten Schlag und hat sich für das Foto extra in Schale geworfen.
Am nächsten Morgen machen wir uns früh auf den Rückweg. Die Bootsfahrt verläuft problemlos, ist mit 4 Stunden in praller Sonne jedoch eher unentspannt. Viele Passagiere schützen sich mit Regenschirmen vor der Sonne und natürlich wird auch ein Schirm für die Muzungus bereitgestellt, die die Sonne ja nicht besonders gut vertragen (wovon es zum Glück keine Fotos gibt).


So trostlos sah es dann zum Glück nicht auf jeder Insel aus...
In der Rückschau lässt sich sagen, dass ich auf diesem Ausflug einen weiteren und weitreichenden Einblick in die Ugandische Lebensweise bekommen habe. Wie immer ist es Denis zu verdanken, dass ich an diesen Ort reisen konnte, den man als Tourist sicherlich niemals zu Gesicht bekommen hätte.

Montag, 30. Dezember 2013

Let there be water - Ein Film über die Fontes Foundation Uganda

Wen ich durch meinem Spendenaufruf für die Fontes Foundation vor Weihnachten nicht überzeugen konnte, der hat nun die Möglichkeit Sven Kämmerer bei seinem Filmprojekt zu unterstützen. Sven wird im Februar nach Uganda reisen um in einer kurzen Dokumentation die Arbeit der Fontes Foundation Uganda vorzustellen und zu porträtieren. Um die Kosten für die Reise und die Herstellung des Films abzufedern hat er eine Crowdfunding-Kampagne aufgesetzt.
Wer das, wie ich, für eine super Idee hält, deren Umsetzung unterstützt werden sollte, kann unter folgendem Link seinen Beitrag zur Realisierung dieses spannenden Projekts leisten:

 
Wie immer ist jeder noch so kleine Beitrag sinnvoll und willkommen!

Auf zum Sonnengipfel des biologischen Schwamms!

Lasst mich nun von einem kleinen, feinen afrikanischen Abenteuer erzählen, das mir das diesjährige Weihnachtsfest ersetzt hat: eine Reise in den Osten Ugandas und eine Wanderung auf den erloschenen Vulkan Mount Elgon und zu den Sipi Falls. Liest man die Prospekte wird der Vulkan, der durch die Staatsgrenze in eine ugandische und eine kenianische Hälfte getrennt wird, vor allem mit Superlativen beschrieben. Einstmals größter Berg Afrikas, durch Erosion in 20 Millionen Jahren heute zum siebthöchsten auf dem Kontinent degradiert. Mit 40 km² Fläche die größte Caldera der Welt. Wasserlieferant für über eine Millionen Ugander und biologischer Schwamm, der hier selten gewordenen Tier- und Pflanzenarten einen willkommenen Rückzugsraum bietet. Am sehr frühen Samstagmorgen mache ich mich auf die Reise. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen, die Stadt schläft ihren Rausch vom Freitagabend aus. Nur wenige Autos und Bodas sind unterwegs. Die Luft ist ausnahmsweise angenehm frisch. Trotzdem saust der nie ganz verschwindende Dunst durch das Scheinwerferlicht, von dem man an diesem Morgen nicht weiß ob es sich um frühen Nebel oder um den noch nicht gelegten Staub des vergangenen Tages handelt. Ein Blick in die Kronen der Palmen bescheinigt erneut: Dies ist ganz eindeutig Fledermausland und die Dämmerung gehört ihnen. Auf dem Hof des post office stehen vier rote Postbusse bereit um die Menschen zu Weihnachten in alle Himmelsrichtungen in ihr Heimatdorf zu transportieren. Das Ganze geht wie immer chaotisch aber gesittet zu. Nach mehrmaligem Nachfragen entscheide ich den Bus nach Mbale gefunden zu haben. Ich bin froh mit wenig Gepäck zu reisen und somit nicht eine halbe Stunde warten zu müssen bis es im Laderaum verstaut ist. Der Bus selbst ist in erstaunlich gutem Zustand. Sogar ein kleiner Flachbildfernseher ist vorhanden, auf dem während der Fahrt ugandische Musikvideos zu sehen sein werden. Da ich pünktlich dort bin und viele Ugander nicht kann ich mir einen bequemen Fensterplatz aussuchen. Dieses mal werde ich wohl ausnahmsweise relativ schmerzlos reisen, da ich tatsächlich genug Platz für meine Beine habe. Mit nur einer Stunde Verspätung fahren wir los; raus aus Kampala und entkommen dem Hexenkessel. Ich bin gespannt, der Osten des Landes soll wunderschön sein. Eine Dunstglocke scheint nicht nur über der Stadt sondern dem gesamten Land zu liegen. Die Fahrt bis nach Mbale dauert ca. sechs Stunden. In jeder größeren Stadt wird am post office gehalten, Säcke voller Briefe und Pakete werden nach einem sich mir nicht erschließenden System ausgeladen. Menschen steigen ein und aus, werden von ihren Verwandten verabschiedet oder begrüßt. Das Personal des Busses verdient sich ein bisschen Bestechungsgeld, indem es sich manchmal weigert noch mehr Gepäck in die Luken zu stopfen. Erst nach Zahlung von 5.000 Schilling und mehr sind sie bereit das Gepäck einzuladen. Natürlich werden auch die obligatorischen Hühner transportiert und dieses mal im Laderaum verstaut. Die Menschen haben immerhin die Güte die festgebundenen Füße loszuschneiden, damit sich das Federvieh vor umherfliegenden Gepäck retten kann. Die Landschaften und Städte ziehen vorüber. Jinja, Tororo, dazwischen riesige Tee- und Zuckerrohrfelder, Mais, Reis, Kartoffeln oder Sumpfland, das dicht mit Papyrusstauden bewachsen ist, die an grüne, zu groß geratene Pusteblumen erinnern. Und allgegenwärtig der charakteristische, nie endende Kontrast von rostrot und sattem Grün, wenn sich eine Lehmstraße durch die Landschaft schlängelt. Mir fällt auf, dass ich der einzige Muzungu im Bus bin. Das Land wird zunehmend flacher und erstreckt sich um Tororo und Mbale in einer endlos scheinenden Ebene, die hier und dort von vulkanischen Hügeln unterbrochen ist, die wie Pilze in der Landschaft stehen.
 
Mbale ist eine der größeren Städte im Land und liegt am Rande eines Ausläufers des Mount Elgon. Von hier aus werde ich ein Taxi nehmen um nach Budadiri zu gelangen, dem Ausgangspunkt für meine Wanderung. Bei dem Taxi handelt es sich diesmal noch nicht einmal um einen der Toyota-Kleinbusse und es wir statt Huhn ein riesiger, bemitleidenswerter Truthahn mitgenommen, auf dem beim Ein- und Aussteigen unweigerlich alle Leute herumtreten. Die Straße ist schlecht, staubig und die 40 minütige Fahrt der reine Horror. Da hatte ich mich wohl zu früh gefreut. Im Büro der Ugandan Wildlife Authority bezahle ich die Tour. Ich muss den Eintritt in den Nationalpark und einen Ranger bezahlen. Außerdem miete ich eine Isomatte und ein Zelt, das sich leider als recht schwer herausstellt. Als ich bekanntgebe, dass ich keinen Träger für mein Gepäck möchte werde ich nur zweifelnd angeschaut. Um Geld zu sparen beschließe ich mir einen Tag zu schenken, indem wir am ersten Tag ein Camp überspringen. Das bedeutet zwar einen Aufstieg von 1.700 m auf 3.500 m in einem Rutsch, spart mir aber ca. 100 Dollar. Die Nacht verbringe ich in einer einfachen und günstigen Unterkunft. Budadiri ist ein kleines Dorf wie viele andere. Man bekommt hier das Gefühl tatsächlich im tiefsten, ländlichsten (und ärmsten) Afrika angekommen zu sein.

Eindrücke aus Budadiri, das den meisten Wanderern als Ausgangspunkt für die Besteigung des Mount Elgon dient.
 
Tag 1
Nach kargem Frühstück geht es um 7 Uhr zurück zum Büro der UWA, wo ich den Ranger treffe, der mich die nächsten Tage begleiten Wird. Moses scheint ein sehr netter Typ zu sein. Auch von ihm ernte ich nur ein müdes Lächeln als er erfährt, dass wir ohne Träger losziehen werden. Zumindest für meinen Teil. Moses ist erst gestern von einer Tour zurückgekehrt, entsprechend erschöpft und sein Gepäck wird getragen. Der erste Teil der Tour wird wider Erwarten auf dem Boda bestritten. In halbstündiger Fahrt geht es auf einer Staubpiste bis zum Ausgangspunkt, vorbei an Bananenplantagen und einfachen, runden Lehmhütten. Die Menschen müssen hier sehr arm sein, was mir später von Moses bestätigt wird. Die allermeisten sind Kleinbauern, die Kaffee, Bohnen, Zwiebeln und dergleichen anbauen. Das meiste Geld wird mit Kaffee verdient, aber da der Preis jüngst eingebrochen ist geht es den meisten Familien im Moment in finanzieller Hinsicht recht schlecht.
Bevor es los geht bringen uns die Bodas zum Ausgangspunkt der Wanderung, der noch ca. 10 km von Budadiri entfernt liegt.
Eine Frau mischt Lehn, Stroh und Dung zu einem
Zementersatz, mit dem die Hauswand im Hintergrund
verputzt wird.
 Gleich nachdem wir losgegangen sind meldet Moses erste Zweifel bezüglich des Trägers an. Es scheint lediglich zwei Optionen zu geben: Entweder sein Gepäck selber zu schleppen und im ersten Camp auf 2.900 m die Nacht zu verbringen oder das Camp zu überspringen, dann aber mit Träger. Wird man sehen, denke ich und so ziehen wir los. Das ambitionierte Tagesziel heißt Mude Cave Camp auf 3.500 m+NN. Der Weg („Sasa trail“) verläuft bis zur Grenze des Mount Elgon National Parks durch bewohntes und ackerbaulich intensiv genutztes Gebiet. Kleine und größere Flüsse rauschen an uns vorbei oder wollen überquert werden. Kinder helfen bei der Feldarbeit, laufen uns entgegen als sie uns entdecken, folgen uns für eine Weile. Moses kennt hier jeden und es wird öfters gestoppt um sich kurz auszutauschen. Hier, im Osten Ugandas, wird nicht Luganda sondern Swahili gesprochen. Moses Träger kommt uns entgegen, lediglich ausgerüstet mit Gummistiefeln und einer Machete. Die Menschen, die hier leben und arbeiten, bewegen sich spielend leicht und meist barfuß den Berg hinauf und hinab, während man selbst nach wenigen Minuten im Schweiß badet. Die Luft ist klar und frisch und riecht nach Gemüse. Die Landschaft ist wunderschön und blickt man zurück, so hat man einen weitreichenden Blick auf die flache Ebene, die sich westlich des Vulkans erstreckt. Noch bevor wir den Nationalpark erreichen hat mich Moses überzeugt doch einen Träger für den ersten Tag zu bezahlen. Nach kurzem Kampf zwischen Stolz und Vernunft muss ich schließlich einsehen, dass es gerade am ersten Tag keine gute Idee sein würde sich kaputt zu laufen. Schließlich sollte es am folgenden Tag auf den Gipfel gehen.
Das erste Stück Weg führt vorbei an kleinen Hütten und Feldern.
Wunderschöne Aussichten hält der Aufstieg bereit. Am Fuße des Ausläufers im Hintergrund liegt Mbale.
 
Die Grenze des Nationalparks ist lediglich dadurch auszumachen, dass der Feldbau von Wildwuchs abgelöst wird. Doch immer wieder kommen uns Viehhirten und Männer entgegen, die Bambus und Feuerholz auf den Kopf bergab tragen. Moses erklärt mir, dass es der lokalen Bevölkerung in bestimmtem Maße trotz Nationalpark gestattet ist einige Ressourcen wie eben Feuerholz zu nutzen. Der Anstieg ist nun steil, in praller Morgensonne. Der Schweiß fließt, sammelt sich an der Nasenspitze und tropft in regelmäßigen Abstand zu Boden. Bald erreichen wir die zweite Vegetationsstufe, den Bergwald, der kühlend Schatten spendet. Alte, moosige Bäume, die von Lianen und Flechten bewachsen sind verleihen dem Ganzen eine Art verwunschenen Eindruck. Die Flechte wird übersetzt „Bart des alten Mannes" genannt und dient getrocknet dem Menschen als Fidibus, dem Vogel zum Nestbau. Fremdartige Blumen, Sträucher und Bäume vermitteln einen überdauernden Eindruck. Besonders die Lobelia erinnert mich an Bilder meiner Erdgeschichte- und Paläontologie-Vorlesungen.
Tiefer Urwald mit Bart.
 Am frühen Nachmittag erreichen wir das Sasa River Camp. Die Träger stürmen sofort in die hier errichtete Hütte und entfachen ein Feuer. Zwiebeln, Tomaten und Kartoffeln werden präpariert und zusammen mit Posho auf offenem Feuer gekocht. Die Machete wird hierbei als Allzweckwerkzeug beeindruckend behände eingesetzt. Ich gebe mich mit einem Apfel und ein paar Keksen zufrieden, schlage den angebotenen Tee jedoch nicht aus. Während der Körper abkühlt merkt man wie kalt es hier oben ist. Nach ca. einer Stunde machen wir uns wieder auf den Weg. Der Bergwald geht hier in einen Bambusmischwald über, der auf ca. 3200 m schließlich von einer deutlich kargeren Heidelandschaft abgelöst wird. Hier dominieren Gräser, kleine Sträucher und eine weitere Art Lobelia, die schon mehr an einen Baum erinnert. Nach sieben Stunden erreichen wir das Mude Cave Camp, das Zelt wird aufgebaut und es wird gekocht. Ich kann mich vor einer recht kühlen und unbequemen Nacht noch am Feuer wärmen, während die Ranger und Träger auf einem Handy Dokumentationen über die ugandische Armee und ihren Kampf gegen Joseph Kony’s LRA und in Somalia schauen. Ich lerne, dass Moses 32 Jahre alt ist und seit 7 Jahren als Ranger arbeitet. Wir unterhalten uns auch ein wenig über die traditionellen Beschneidungen, die in dieser Region nach wie vor durchgeführt werden. Zwei Tribes beschneiden die Jungen im Alter von ca. 15 Jahren, ein Tribe beschneidet Mädchen. Letzteres wird aber von der Regierung untersagt und ist offiziell verboten. Der Vater bereitet die Beschneidung vor. Betäubt wird nicht und es ist nach Moses Aussagen äußerst schmerzhaft, sodass immer genügend Alkohol für den Jungen bereitgehalten wird um ihm wenigstens etwas die Sinne zu vernebeln. Desinfiziert wird die Wunde anschließend mit Asche. Durchgeführt wird die Operation von „Chirurgen“, wobei ich nicht herausfinden konnte ob es sich dabei tatsächlich um ausgebildetes medizinisches Fachpersonal handelt. Auch rituell hat die Beschneidung eine große Bedeutung. Der Schwanz eines Colobus-Affen spielt eine gewisse Rolle, mehr erfuhr ich hierüber allerdings nicht.
Auf über 3.000 m lichtet sich der Wald und macht einer Heidelandschaft Platz.
Tag 2
Heute soll es also auf den Wagagi-Gipfel gehen, mit 4321 m +NN der höchste Punkt des Mt. Elgon. Um 6.30 Uhr stehe ich auch, um 7 wollen wir loslaufen, damit wir auf dem Gipfel sind bevor uns die Wolken die Sicht auf das Umland verwehren. Zunächst einmal einen Tee um die durch die Kälte starren Glieder zur Aktion zu motivieren. Sonnencreme nicht vergessen. Gestern sind 3 Kroaten vom Gipfel gekommen, mit krebsroter Haut und Sonnenstich. Wir gehen also los. Oberhalb des Camps geht die Heidelandschaft schnell in Moorland über. Der Pfad ist schmal und ausgetreten. Es hat Frost gegeben, das Wasser in den Pfützen ist noch gefroren. Schweigend gehen wir der aufgehenden Sonne entgegen, der Gipfel ist noch nicht zu sehen, wird von der Jackson Peak, dem zweithöchsten Gipfel verdeckt, hinter der nun mit aller Gewalt die Sonne hervorbricht. Selbst mit Sonnenbrille schmerzen die Augen; halbblind geht es weiter. Man merkt hier deutlich, dass man sich eigentlich erst an die Höhe gewöhnen müsste, da das Atmen nicht leicht fällt. Auf knapp über 4.000 m erreichen wir den Jackson Pool, einen kleinen, flachen See, der durch Regenwasser gespeist wird und in dem sich blauer Himmel und Landschaft spiegeln. Die Jackson Peak ragt nur 150 m über diesen Punkt hinaus und scheint doch in unerreichbarer Höhe. Die Landschaft wird zunehmend karger und steiniger, bunte Flechten in rot, gelb und grün säumen den Weg. Wir umrunden die Jackson Peak, erreichen den Kraterrand und der Wagagi-Gipfel kommt in Sicht. Der erste Blick in die „größte Caldera der Welt“ fällt überraschend unspektakulär aus. Wie die übrige Landschaft ist alles von Gras bewachsen, leicht hügelig, also eher weich als schroff. Zahlreiche Kraterseen verschönern den Anblick und einige Gipfel säumen den Rand der Caldera; irgendwo dazwischen beginnt Kenia.
Die höchste Erhebung im Hintergrund ist die Jackson Peak.
 



Der Jackson Pool auf 4.000 m Höhe.


Der Wagagi-Gipfel aus der Ferne.



Der Blick in die größte Caldera der Welt fällt recht unspektakulär aus.
Dann also das letzte Stück zum Gipfel. Gleichzeitig mit der Höhe nimmt die Schwere der Beine zu und das Herz pumpt, dass es im Kopf nur so rauscht. Leichte Anzeichen von Höhenkrankheit zeigen sich, doch die Kopfschmerzen bleiben zum Glück im durchaus erträglichen Maß. Wir erreichen den Gipfel, auf dem ein bitterkalter Wind weht. Karger Fels auf 4321 m +NN, doch selbst hier ist die Baumgrenze noch nicht erreicht. Der Ausblick ist schön und wir sind gerade noch rechtzeitig angekommen. Erst Wolken greifen wie schaumige Finger über die niedrigeren Gipfel und den Rand der Caldera und drohen alles unter sich zu begraben. Moses heißt mich auf dem Wagagi-Gipfel willkommen, der von Einheimischen auch „Gipfel der Sonne“ genannt wird. Zur Feier des Tages spendiert er eine Mango. Da die klimatischen Verhältnisse leider nicht zum längeren Verweilen einladen machen wir uns nach nur einer Viertelstunde erleichtert auf den Rückweg. Dieser fällt deutlich länger als geschätzt aus und man fragt sich immer wieder, wie man es kurze Zeit zuvor überhaupt hier hoch geschafft hat. Der sich ankündigende Regen macht Druck, mahnt zur Eile. Das nun aufgetaute Moorland ist tatsächlich recht sumpfig, macht die ganze Sache etwas rutschig, aber federt immerhin den raschen Schritt.
Geschafft und erleichtert erreicht man die Spitze. Moses war so nett mir seine Wollmütze zu leihen.
Wir schaffen es gerade noch rechtzeitig zurück zum Camp, bevor der Regen einsetzt. Es ist erst kurz nach Mittag, sodass man sich den Rest des Tages von den Strapazen erholen kann. Es wird die weitere Route besprochen und beschlossen am Vormittag des folgenden Tages die nahe gelegene Wasserfälle zu besuchen bevor man den Abstieg auf dem Sasa-Trail beginnt. Wir bleiben nicht lange alleine. Zwei weitere Gruppen treffen ein, sodass die Hütte bald voll ist. Ein deutsch-niederländisches Pärchen hat den Trägern ein Weihnachtsgeschenk in Form eines lebenden Hahns gemacht, der auf den Berg hinauf geschleppt und am nächsten Tag geschlachtet und zubereitet wird. Es gibt Tee; Kartoffeln, Matoke und Fleisch werden einfach in die Glut gelegt, mit den Händen gewendet und wieder herausgenommen. Überhaupt scheinen alle recht resistent gegenüber Hitze zu sein, da keiner ein Problem damit hat in die Glut oder die offenen Flammen zu greifen.
Moses und die Träger kochen Tee, den man nach eisigen Temperaturen auf dem Gipfel nötig hat.
 
Tag 3
Nach einer zu langen, unbequemen Nacht lassen Moses und ich uns heute Zeit und starten erst gegen 9 Uhr zu den Dirigana Falls. Im Vergleich zu gestern ein dreistündiger Spaziergang. Das Panorama ist fantastisch. Im Vordergrund die weichen, mit Lobelia bewachsenen Hügel, während sich im Hintergrund, fast im blauen Dunst verschwindend, ein Gebirge aufzutürmen scheint, bei dem es sich jedoch um die letzten Ausläufer des Mount Elgon handelt. Wir erreichen einen schönen Flecken, an dem ein Fluss 6 m in die Tiefe stürzt. Nach der Mittagspause beginnt der Abstieg zum Sasa River Camp, der entspannt beginnt, jedoch schnell erneut in einen Wettlauf gegen den Regen ausartet, den wir dieses mal verlieren. Der Regen macht den Weg durch den Bergwald zu einer einzigen Rutschpartie. Am Wegesrand wächst Artemisia, ein bewährtes Heilkraut zur Behandlung von Malaria. Trotz Verbot gestattet mir Moses ein Ansichtsexemplar mitzunehmen. Vielleicht kann man das in Zukunft ja noch gebrauchen… Nass und dampfend erreichen wir die Hütte. Ich kann mir nach drei Tagen zum ersten die Haare mit dem eiskalten Flusswasser waschen; eine wahre Erlösung. Heute werden Moses und ich unter uns bleiben. Das Feuerholz ist nass und verwandelt die Hütte endgültig in eine Räucherkammer. Aus Gründen des Wetters und der Geselligkeit wird beschlossen, das Zelt nicht noch einmal aufzubauen, sondern die Nacht zu zweit in der Hütte zu verbringen. Moses läuft noch einmal einen Kilometer zurück um einen dicken Baumstamm zur Hütte zu rollen, den wir in der Folge versuchen werden unter Feuer zu setzen. Helfen lässt er sich erst auf den letzten Metern.
Dirigana Fälle.
Es ist erst früher Nachmittag, also genug Zeit um ein wenig kulturellen Austausch zu betreiben. Da Heiligabend ist werden unweigerlich das deutsche und das ugandische Weihnachtsfest miteinander verglichen. Anders als in Deutschland wird der Heiligabend in Uganda nicht gefeiert. Es gibt auch genug zu tun, da es üblich ist, dass man in sein Heimatdorf zu seiner Familie zurückkehrt (die hier in aller Regel ja relativ groß ausfällt). Natürlich muss hierbei die Frau ihren Mann in sein Heimatdorf begleiten und nicht umgekehrt. Der 24.12 wird also überwiegend mit Schlachten und den weiteren nötigen Vorbereitungen zugebracht. Das eigentliche Weihnachtsfest wird dann am 25.12 gefeiert und zwar so, wie man es bei uns auch kennt. Ich erkläre Moses, dass bei uns die eigentliche Feier am Heiligen Abend stattfindet, während die beiden Weihnachtstage vor allem für jede Menge Kaffee mit Verwandtschaft vorgesehen sind. Mein Heiligabend ist wahrlich kein Vergnügen. Alle Knochen schmerzen, die harte Holzpritsche gibt einem keine Ruhe. Sobald die Flammen kleiner werden machen sich die Mäuse in der Hütte bemerkbar. Moses steht ca. 20 mal während der Nacht auf um Feuerholz nachzulegen, was aufgrund der Nässe jedes Mal zu Rauchentwicklung führt, die einem kaum atmen lässt.
Das Sasa River-Camp wir nach Ankunft erst einmal ausgeräuchert.
 
Tag 4
Entsprechend gerädert beginnen wir am nächsten Tag um 6.30 Uhr den restlichen Abstieg. Der Regen scheint sich glücklicherweise auf den Wald beschränkt zu haben. Der Weg wird nach Verlassen des Waldes so steil, dass ein Abstieg im Regen unmöglich oder zumindest sehr gefährlich gewesen wäre. Wieder geht es also durch die wunderschöne Kulturlandschaft, vorbei an der Nationalparkgrenze, Feldern und auf ihnen arbeitenden Bauern, bei herrlichem Wetter und schönem Ausblick. Die Knie schmerzen und sehen dem Ziel schon freudig entgegen. Schon um 9 Uhr sind wir endlich wieder am Ausgangspunkt unserer Wanderung angelangt und die beiden Bodas bringen uns in wilder Fahrt bergab zum Büro der Wildlife Authority. Ich bedanke mich herzlich bei Moses, der sich rührend um mich gekümmert hat und schenke ihm zu Weihnachten meine kleine Kurbeltaschenlampe, da sie mir für ihn am nützlichsten scheint. Ich verhandele einen Preis mit einem der Bodafahrer, damit er mich zu den Sipifällen bringt, der bekanntesten touristischen Attraktion im Osten Ugandas, von der ich sehr viel Gutes gehört habe. Meine längste und schönste Bodafahrt beginnt. Über Lehm- und Teerstraßen geht es zügig nach Norden, zur rechten immer den Flanken den Mount Elgon folgend. Auf der gut ausgebauten Teerstraße dreht der Fahrer voll auf, sodass sich Adrenalin, Freiheitsgefühl und latente Todesangst die Hand reichen. In den kleinen Kirchen am Wegesrand werden Weihnachtsmessen gefeiert, also getanzt und laut gesungen. Moses erklärte mir, dass hier in der Regel die Weihnachtsmesse kürzer als der gewöhnliche Gottesdienst ausfällt (2 ½ statt 3 Stunden), da alle viel zu tun haben. Nach 30 Minuten biegen wir ab und folgen der Teerstraße Richtung Sipi, die sich nun in Serpentinen wieder eine Bergflanke hochschlängelt, die wunderschöne Aussichten auf das Umland bereithält. Die Prospekte haben nicht gelogen, die Gegend um die Sipifälle (bei denen es sich um eine Kaskade von drei Wasserfällen handelt, der größte von ihnen beeindruckende 100 m hoch) ist wunder-, wunderschön. Der richtige Ort um sich in den nächsten beiden Tagen von den Entbehrungen und Strapazen zu erholen. Am nächsten Tag werde ich das deutsch-niederländische Paar wiedertreffen, die sehr freundlich sind und mir anbieten mich in einem special hire (was man bei uns als Taxi bezeichnen würde) bis nach Jinja mitzunehmen, was mir viel Geld und Zeit spart. An dieser Stelle noch einmal danke dafür!
An den mächtigen Sipi-Fällen stürzt das Wasser fast 100 m unter lautem Getose in die Tiefe.


Der Blick von meinem Zimmer aus...
 

 
War noch etwas? Ach ja, Weihnachten. Viel hat man nicht davon mitbekommen. Die Reden und der Gesang der Kirche wurden stundenlang bis zu meiner Unterkunft getragen. Nach der Messe stellte sich die Unterkunft dann auch als beliebter Treffpunkt zur Feier bei der lokalen Bevölkerung heraus. Die Kinder waren sehr putzig in den besten Klamotten und viel zu großen Schuhen, die in der Regel nicht wirklich zusammen passten. Anders als daheim steht das Leben über Weihnachten aber nicht wirklich still. Viele Läden sind nach wie vor geöffnet und es schien mir als würden die meisten Menschen nach der Kirche ihrer alltäglichen Arbeit nachgehen.
Ugandischer "Tannenbaum".
In der Rückschau ein wunderbares, kleines Abenteuer in einer spektakulären, wilden und naturbelassenen Landschaft und eine gute Alternative zum ausgefallenen Weihnachtsfest.